11. Juli | Fachtag: Jugendarbeit in Zeiten von Hass im Netz und Desinformation. Was kann die Medienpädagogik leisten?

Das Internet hat sich längst zu einem zentralen Schauplatz politischer Debatten entwickelt. In einer Zeit, in der Jugendliche maßgeblich ihre Informationen aus digitalen Quellen beziehen und beträchtliche Zeit online verbringen, wird die Bedeutung dieser Online-Räume im Hinblick auf das bevorstehende Superwahljahr 2024 besonders deutlich. Mit der zunehmenden Präsenz im digitalen Raum gehen auch bedeutende Herausforderungen und potenzielle Gefahren einher.

Wir stellen uns in diesem Wahljahr daher die Fragen: Was kann Medienpädagogik in Bezug auf Herausforderungen wie Hass im Netz und Desinformation bieten? Was kann und muss außerschulische Bildung in diesem Zusammenhang leisten?

Gemeinsam werden wir auf die neuste bundesweite Studie zu Hass im Netz schauen, spannende Inputs zum Thema Jugendliche und politische Wahlen hören, neue Strategien und Schlüsselakteure der Neuen Rechten in Brandenburg kennen lernen, verschiedene Materialien zu den Themen „Desinformation“ und „Hass im Netz“ für die pädagogische Praxis sichten und ausprobieren sowie Handlungsoptionen für Jugendarbeit und Medienpädagogik diskutieren.

Datum und Zeit: 11. Juli 2024, 09:30 bis ca. 16:00

Ort: Tagungshaus Hoffbauer Stiftung Potsdam

Zielgruppe: Regionale Fachkräfte aus Medienbildung, politischer Bildung, Antidiskriminierungsarbeit, Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und angrenzenden Fachbereichen

Anmeldung vorab unter: https://eveeno.com/246337162

Programm

Moderiert wir die Veranstaltung von Anna Grebe.

Inputvortrag 1: „Lauter Hass, leiser Rückzug. Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht“ – Zahlen einer repräsentativen Befragung

Täglich werden Menschen im Netz beleidigt, belästigt und bedroht. Hass im Netz ist laut und er wird immer lauter. Dabei kann er alle treffen – aber nicht alle gleich. Besonders häufig betroffen sind junge Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte und queere Menschen. Die Folge: Viele ziehen sich bereits zurück und äußern ihre politische Meinung dort seltener. Das gefährdet Meinungsvielfalt und Demokratie. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die im Februar 2024 erschienenen Studie “Lauter Hass – leiser Rückzug”, die von der GMK, HateAid, den Neuen Deutschen Medienmacher*innen und Das NETTZ als Teil des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz herausgegeben wurde.

In einem kurzen Inputvortrag gibt Melina Honegg, Projektmitarbeiterin der GMK im Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz, Einblicke in die wichtigsten Ergebnisse zu Wahrnehmung, Betroffenheit und Folgen von Hass im Netz in Deutschland.

Inputvortrag 2: Wahlen in Brandenburg – was bewegt die Jugendlichen? Einblicke in die Jugendarbeit vor Ort

Mit einer Postkartenaktion haben die Streetworkerinnen aus der mobilen Jugendarbeit des Humanistischen Regionalverbands Brandenburg / Belzig e.V., Katja Glomm und Denise Rexhausen, in Vorbereitung auf die kommenden Wahlen in Brandenburg, die Themen und Fragen, die die Jugendlichen politisch bewegen, eingeholt und ausgewertet. Aus den über 350 Antworten leiteten sie Fragen für die politischen Parteien ab und entwickelten daraus Wahlprüfsteine, mit denen sie weiter in die Aufklärungsarbeit gehen und mit Veranstaltungsformaten vor Ort Raum für Austausch zwischen Jugendlichen und Politik schaffen.

In ihrem Input geben Sie Einblicke in ihre wichtigsten Erkenntnisse, die Themen, die die Jugendlichen umtreiben und wie sie damit weitere Aufklärungsarbeit in der Praxis leisten. Außerdem berichten sie, welche Rolle digitale Räume in ihrer Erhebung gespielt haben und welchen Platz Hass, Desinformation oder Rechtsextremismus in diesem Zusammenhang einnehmen können. Wo können pädagogische Fachkräfte in diesem Themengemenge ansetzen und was müssen sie dafür wissen oder verstehen?

Workshop 1: Hass im Netz und Desinformation – Methoden und Materialien für die Arbeit mit Jugendlichen

In dem sehr interaktiv angelegten Workshop sollen verschiedene Materialien zu den Themen „Desinformation“ und „Hass im Netz“ vorgestellt, gesichtet und ausprobiert werden. Hierzu gehören Quizze, Erklärvideos, Arbeitsblätter, Onlinetools etc. In einem zweiten Schritt sollen mögliche Anwendungen für die eigene pädagogische Praxis in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen reflektiert und erörtert werden. Der Workshop bietet darüber hinaus Raum für den Austausch mit anderen Fachkräften über vorhandene Erfahrungen und eigene Ideen.

Isgard Walla ist Diplom-Pädagogin und Coachin mit langjähriger Berufserfahrung und Expertise in den Themenfeldern Medienbildung, Jugendarbeit und digitaler Partizipation. Sie arbeitete u. a. für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) als Leiterin für das Projekt jugend.beteiligen.jetzt und für die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e.V.). Seit 2022 ist sie beim Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e.V. (lmb) als Referentin für Medienbildung tätig und leitet dort das Projekt jumblrJIM – Jugendmedienbildung im ländlichen Raum.

Workshop 2: Das Mosaikkonzept der Neuen Rechten verstehen und demokratische Resilienz stärken 

Der Begriff der „Mosaikrechte“ wurde von Benedikt Kaiser, einem Vordenker der neuen Rechten geprägt. Dahinter verbirgt sich einer der wichtigsten strategischen Ansätze der Neuen Rechten. Kaiser versteht darunter ein heterogenes Bündnis, das interne Widersprüche für die gemeinsame Sache toleriert. Anhand von Einblicken in die „Mosaikrechten“ im Land Brandenburg wird beispielhaft aufgezeigt, wie theoretische Konzepte in die politische Praxis übertragen und Kampagnen medienwirksam initiiert werden.

Neben einem Überblick über Schlüsselakteure, Organisationen und Bewegungen innerhalb dieser Szene, werden den Teilnehmenden durch die Analyse von Musik, Magazinen und sozialen Medien außerdem medienpädagogische Impulse für die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegeben.

Felix Kaschubeck ist Lehrer und Fachseminarleiter für Politische Bildung sowie Ausbildungscoach. Seine Interessens- und Arbeitsschwerpunkte sind Links- und Rechtsextremismus in Deutschland, subkultureller Rechtsextremismus (AN, Transformationsprozesse, Mimimkry und Aneignung), die Identitäre Bewegung und Junge Alternative (akademisch geprägter Extremismus) sowie die Reichsbürger*innenszene (Einfluss auf Lehre und Verwaltung, Entstehungsprozess und Vorläufer).

Organisatorische Hinweise:

  • Die Veranstaltung findet in Präsenz statt.
  • Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 30 Personen begrenzt.
  • Wir bitten um eine Anmeldung vorab: https://eveeno.com/246337162

Die Veranstaltung wird vom Team der GMK im Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz organisiert und  durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg gefördert.